In diesem Blog möchte ich kurz meine Gedanken über die gegenwärtige, und seit dem Votum der Schweizer bzgl. des Minarettverbotes andauernde Diskussion über den Islam, widergeben. Dies soll nicht nur ein Denkanstoß sein, sondern auch (soweit möglich) eine Diskussion (im Kommentarbereich) eröffenen.
Die angebliche Islamisierung Europas bzw. Österreich ist nicht nur seit dem Votum in der Schweiz ein Thema, sondern beschäftigt die politischen Parteien, egal ob ideologisch rechts oder links, seit einiger Zeit und führte zusehends zu herabwürdigenden Wahlkämpfen und Debatten.
Für rechte Strömungen und Parteien war das Abstimmungsergebnis in der Schweiz natürlich ein willkommenes Ereignis, um deren politische Standpunkte in den Medien zu vermarkten und bei der Bevölkerung anzuprangern. Immer wieder fallen bzgl. Islam die Schlagworte, Islamisierung, Radikalität, Frauenfeindlichkeit, Sozialschmarotzer etc.
Bezüglich dem Islam wird hier jedoch eine Pauschalisierung vorgenommen, welche die angeblichen Probleme, die in gewissen (radikalen) Bereichen in ebensolcher Religion vorkommen, die aber nicht für die Religion per se sprechen.
Der Vergleich mit dem Christentum bietet hier ein hervorragendes Beispiel, um diese These zu untermauern. Würde man die Pauschalargumente über den Islam auf das Christentum umlegen, wie würden diese ausschauen?
Wenn man sich die diversen Strömungen im Christentum anschaut, so wird man mit einem weitem Spektrum, beginnend von liberalen bis hin rechtsradikalen,menschenfeindlichen (hier gibt es alleine in der österreichischen Kirche genügend Beispiele) Standpunkten, konfrontiert.
Ebenso ist es mit dem Islam. Es gibt zahlreiche weltoffene, liberale Muslime, die den Pauschalisierungen der Islamgegner keineswegs entsprechen. Nichtsdestotrotz gibt es auch radikale Kräfte, die , wie ich meine, bekämpft gehören und ihren Platz in Europa nicht verdienen. Dies heißt aber nicht, dass der Islam generell radikal, frauenfeindlich etc. (wie oben erwähnt) ist.
Schaut man sich so manche Aussagen einiger Priester, Pfarrer etc. an, dann wundert es wohl kaum, dass H.C. Strache seit einiger Zeit derart pro Christentum aggiert und sich allerorts als "gläubiger Christ" bekennt (abgesehen vom Versuch der Stimmenmaximierung im christlich-konservativen Bereich)
Montag, 28. Dezember 2009
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7 Kommentare:
Ich sehe das genauso. Der Islam wird von manchen Leuten, gern auch von Politikern, so hingestellt, als sei er generell radikal, politisch und menschenrechtsverletzend. Und das ist er nicht, genauso wenig, wie das das Christentum ist oder eine andere Religion.
Was ausschlaggebend ist, was die Menschen aus ihrer Religion machen. Oder vielmehr: die geistlichen Führer dieser Religion/Kirche. Sie sind zumeist die Wurzel allen Übels.
In Iran oder Saudi-Arabien beispielsweise ist der Islam die Grundlage der Herrschaftsausübung. Ob dieser politische bzw. politisierite Islam noch viel mit den tatsächlichen Lehren des islamischen Glaubens gemein hat, bezweifle ich.
Abschließend muss ich aber dennoch sagen, dass im Islam nicht alles eitel Wonne ist. Wenn radikale Strömungen immer wieder die Aufmerksamkeit in den Medien erhaschen und die muslimische Gemeinschaft sich dazu nicht entschieden äußert, dann stimmt etwas nicht. Die Muslime in Österreich und anderen Ländern müssen mehr zu diesem Thema Stellung beziehen und so klar stellen, dass radikale Interpretationen des Islams nicht die Mehrheitsmeinung in ihrem Glauben darstellen.
Danke für dein Kommentar
Betreffend deines letzten Absatzes möchte ich folgendes konstatieren. Radikale, muslimische Kräften erhaschen größtenteils mediale Aufmerksamkeite, weil die Medien das so wollen. "Bad news are good news". Mit vermeintlichen Terrornestern in div. Ländern, radikalen Ausschreitungen, etc. lässt sich die Aufmerksamkeit leicht steigern. Daraus resultierend kommt wieder meine angesprochene Pauschalisierung auf. Nicht mehr gewisse Strömungen im Islam entsprechen den oben erwähnten negativen Kriterien, sondern der ganze Islam oder zumindest gewisse Teile werden als solche(r) bezeichnet.
Man hört ja in regelmäßigen Abständen immer wieder von Skandalen der Kirche ala. rechtsradikalen Äußerungen, Kinderschändungen etc. Überspitzt könnte man jetzt sagen, "sind jetzt alle Priester Kinderschänder?!?!"
Niemand bestreitet, dass es nicht auch im Christentum radikale Strömungen gibt.
ABER: Im Islam ist die radikale Strömung praktisch der Normalzustand. Natürlich in Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran. Aber auch in Ländern, in denen traditionell eine eher (jedenfalls in Relation) liberale Auffassung des Islams vorherrschte gewinnen radikale Strömungen immer mehr an Einfluss. Z.B. Malaysia und z.T. auch Indonesien.
Zusätzlich hat der Islam ein ernsthaftes Gewaltproblem. So hat der "heilige Krieg" im November 529 Tote gefordert (für eine Liste seit 2001 siehe hier). Und obwohl praktisch alle Opfer Moslems sind, gibt es in der islamischen Welt diesbezüglich eine Art Realitätsverweigerung.
Und das macht auch den großen Unterschied aus. Dass z.B. ein radikaler Abtreibungsgegner einen Anschlag verübt kommt nicht nur extrem selten vor, sondern es gibt dann sofort eine Welle der Empörung. Wenn aber im Islam irgendwas passiert, dann sind immer alle anderen Schuld (Israel, USA, Kolonialismus usw.).
@sohalt sie bestätigen genau meine im artikel dargelegte these der pauschalisierung. wie ich bereits sagte, gibt es zahlreiche probleme, die aber nicht per se für den islam als religion gelten. ja es gibt, gewalt,radilake strömungen etc. aber mit ihrer pauschalisierung ala " gewalt ist normalzustand etc." verunglimpfen sie den großteil der muslime, die eben nicht so sind. sie schließen von einem (kleine) teil auf die gesamtheit. vor allem der rechte teil unserer gesellschaft (sie deklalieren sich auf ihrem blog als "rechts-liberal) bedient sich dieser methode des angstschürens und versucht ein falsches bild der eigentlichen realität darzustellen.
p.s. da das wort "rechts-liberal" derzeit ja arg in mode gekommen zu sein, würde mich interessieren, wie sie diese "ideologie" kategorisieren. diese thematik habe ich in meinem letzten blogeintrag über das bzö bereits kurz debattiert und angeschnitten
Wenn man sich die Geschichte anschaut, wird natürlich sofort klar, dass man nicht einfach sagen kann, dass der "Islam" schuld ist. Eine Religion kann sich ändern - wie es auch das Christentum getan hat. Vor ein paar hundert Jahren wurden bei uns noch Hexen verfolgt. Die Hexenverfolgung ist ein perfektes Beispiel, da man durch ein Bibelstudium wohl kaum auf die Idee kommen könnt Hexen zu verbrennen. Trotzdem wird niemand bestreiten, dass Hexenverfolgung und Christentum irgendwie zusammen gehören.
Das Problem von diesem Blog-Eintrag ist, dass nicht zwischen Islamismus und Terrorismus unterschieden wird. Als ich geschrieben habe, dass die radikale Strömung der Normalzustand ist, dachte ich an Islamismus (über Gewalt hab ich dann im zweiten Absatz geschrieben).
Islamismus IST der Normalzustand im Islam. Praktisch alle signifikanten Religionsgelehrten sind Islamisten. Die meisten Islam-Gelehrten, die als "moderat" gelten, wären, wenn sie als christliche Theologen ähnliche Standpunkte vertreten würden nichts weiter als ultra-radikale Spinner.
Praktisch alle islamischen Religionsgelehrten lehnen aber Terrorismus ab. Trotzdem wird der Terror von einem ausreichend großen Teil der islamischen Bevölkerung unterstützt - u.A. auch finanziell, da so ein Terrorfeldzug doch auch ins Geld geht. Ich denke man kann den islamischen Terrorismus gut mit dem RAF-Terror vergleichen. Die Anzahl derer, die bereit sind, tatsächlich Gewalt auszuüben ist nicht besonders groß. Trotzdem gibt es eine bedeutende Basis, die die Aktionen irgendwie allgemein unterstützen.
Rechts-Liberal: Ich vertrete einige Standpunkte von Liberalen, z.B. wenn es um Wirtschaft, Religion, Bürokratie, Sozialabbau, (Homo)sexualität geht, in anderen Bereichen habe ich rechte Positionen (also "rechts" natürlich in der eigentlichen Bedeutung, nicht so wie das einige Linke zu diskreditieren versuchen), z.B. Strafverfolgung oder bei Sicherheitspolitik ("neo-konservativ").
Geistliche Führer einer Religion oder Kirche mögen zwar für sich beanspruchen, für ihre Religionsgemeinschaft zu sprechen. Ob sie tatsächlich erfassen, was die Mitglieder ihrer Religion/Kirche denken und vertreten, ist eine andere Frage.
Wenn ich Ihre Interpretation auf die katholische Kirche umlege, dann sind Realitätsverweigerung und Erzkonservatismus Normalzustand in der katholischen Kirche. Glauben Sie wirklich, dass sich in der katholischen Kirche alle gegen Verhütung aussprechen, das Aids-Problem bagatellisieren, Homosexualität als Krankheit definieren oder die Piusbrüder eigentlich ganz in Ordnung finden?
Die zentrale Frage in dieser Auseinanersetzung ist, wie wir Religion definieren. Ist sie die Gesamtheit ihrer Zugehörigen oder die ihrer geistlichen Führer? Daraus ergibt sich auch die Frage nach ihrer Interpretation. Ist die Deutung einer Religion das Wort der Gelehrten oder jenes aller ihrer Zugehörigen?
Wenn Sie mich fragen: Religionen werden von der Gesamtheit ihrer Anhänger getragen und sind nicht ein Ensemble aus geistlichen Gelehrten.
Zu sagen, Islamismus sei Normalzustand im Islam, mag vielleicht für die geistliche Führung zutreffen, für die Gesamtheit aller Muslime ist das jedoch völlig unzutreffend.
Zum Thema:
"Antisemiten und Islamfeinde. Hetzer mit Parallelen"
http://www.sueddeutsche.de/politik/837/499119/text/
Ebenfalls erschienen in der SZ vom 4.1.2010, Seite 2, Rubrik "Außenansicht", unter dem Titel "Der Feind in der Wiege. Was die Antisemiten des 19. Jahrhunderts und manche 'Islamkritiker' des 21. Jahrhunderts eint"
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