Die am 14.März stattgefundenen Bürgermeister-und Gemeinderatswahlen brachten einige interessante Ergebnisse, die sich großteils mit meiner Prognose deckten.
In diesem Blogbeitrag möchte ich auf die Bürgermeisterwahl eingehen, da sie ganz besonders interessante Ergebnisse lieferte.
Bürgermeister H.Marschitz stürzte im Wählervotum im Vergleich zu den vorangegangenen Bürgermeisterwahlen dramatisch ab. Mit einem Stimmenanteil von 34,12%, halbierte sich der Anteil im Vergleich zur letzten Bürgermeisterwahl 2004 beinahe (65,92%). Die Frage ist nun, wie man ein solches Ergebnis interpretieren soll. Die Anhänger Marschitz' versuchen zu relativieren, dass der amtierende Bürgermeister immer noch die Stimmenmehrheit bei der Wahl erreichte. Dies ist zwar richtig, aber im Vergleich zu den letzten Wahlen und den selbst gesteckten Zielen, ist dieses Votum eine herbe Niederlage.
Nun, wie kann es zu solch einem Stimmenverlust kommen? Marschitz und sein Team sehen den Grund für das schlechte Abschneiden in der zu geringen Wahlbeteiligung. Dieses Argument ist nur unzureichend zutreffend. Im Jahr 2004 lag die Wahlbeteiligung bei 60,99%, im Jahr 2010 bei 62,44%. Objektiv gesehen war 2010 die Wahlbeteiligung marginal höher als 2004 (in Anbetracht der Wahlaltersenkung ein etwa gleichbleibende Wahlbeteiligung).
Ich sehe einen wichtigen Faktor für den Stimmenverlust Marschitz' unter anderem darin, dass dieses Mal mehrere Kandidaten für das Bürgermeisteramt angetreten sind. Es wäre aber verfehlt zu argumentieren, dass dieser immense Stimmenverlust nur deswegen zustande gekommen ist, weil sich mehrere Kandidaten zu Wahl aufstellen ließen.
Wie ich es schon in meinen letzten Blogbeiträgen beschrieben habe, herrschte wenig Konsens unter den Kandidaten, sondern ein recht rauer, angriffiger Ton, den vor allem Marschitz zu spüren bekam. Es galt das Motto, sich fundamental gegen Marschitz zu positionieren, was durchaus- laut Votum- eine erfolgreiche Strategie war.
M. Krumschnabel konnte ein hervorragendes Ergebnis erzielen. Mit 29,96% der Stimmen kam er relativ knapp an das Ergebnis von H.Marschitz heran. Ein Grund für diesen Wahlerfolg war sicherlich ein Wahlkampf ohne populistische Untregriffe, keine bis wenige Pannen und ein gut vernetztes Team das vor allem die Onlineplattform Facebook nützte, um ihre Standpunkte den Lesern nahe zu bringen.
Am 28.März findet die Stichwahl Marschitz gegen Krumschnabel statt. Es wird interessant werden, wie sich die Kandidaten bis zu diesem Datum präsentieren werden. Darüber hinaus wird es spannend, ob ein im ersten Wahlgang gescheiterter Bürgermeisterkandidat, eine Wahlempfehlung aussprechen wird.
H. Steiner konnte ebenfalls ein (sehr) gutes Ergebnis erreichen. Mit 17,52% konnte er sich überaus klar als Drittplazierter von seinen nachfolgenden Kontrahenten absetzen. Ein solches Ergebnis war ihm durchaus zuzutrauen, doch es gab auch zweifelnde Stimmen, da H. Steiner sehr (populistisch) polarisiert und daher nur gewisse Wählersegmente anspricht.
W. Thaler von der Liste GKL-FPÖ konnte für mich relativ überraschend, wenn auch knapp, den 4 Platz erreichen. Mit 9,40% der Wählerstimmen ist dieser 4. Platz jedoch weit entfernt von dem, was man sich eigentlich in der GKL-FPÖ erwartete. Vor allem der Vergleich zwischen dem Wahlergebnis der Liste GKL-FPÖ und dem Ergebnis Thalers stützt meine Behauptung, dass die Person Thaler für ein Bürgermeisteramt mangels nötiger Qualifikationen und rhetorischem Unvermögen, nicht geeignet ist.
Das mitunter überraschendste Ergebnis war das der SPÖ mit ihrem Bürgermeisterkandidaten R. Wehr. Ein umstrittener, populistischer Wahlkampf wollte dem Wähler vermitteln, dass R.Wehr die einzige Alternative zu Marschitz sei. Die Wahlplakate und postalischen Aussendungen wollten dem Leser deutlich machen, dass R. Wehr den Bürgermeistersitz beanspruche. Das Wahlergebnis sprach hingegen ein eindeutiges Wort. Mit nur 9,00% der Stimmen stürzte Wehr auf den letzten Platz ab. Eine schallende Ohrfeige für einen Spitzenkandidaten und seine Liste. Man wird in Zukunft darüber diskutieren müssen, wie man seine Wahlkämpfe gestaltet und wie man seinen Spitzenkandidaten positioniert. Dass dieser Wahlkampf eine totaler Flop war und genau das Gegenteil erreichte,nämlich einen katastrophalen Absturz, sollte Grund genug sein, um seine Strategie und auch das an die FPÖ anlehnende Wahlprogramm (" Ausländer in die Pflicht nehmen" ), zu überdenken.
Abschließend möchte ich eine Prognose für den 2. Wahlgang aussprechen. Händeringend versucht das Team rund um Marschitz, andere Wähler und solche, die beim ersten Votum nicht zur Wahl gingen, an sich zu binden. Dass dies bei solch einer ersten Niederlage nur ein schwieriges Unterfangen sein kann, ist klar.
Es wird interessant werden, wie und ob M.Krumschnabel das Interesse der Wähler weiterhin aufrecht erhalten kann. Auch für ihn gilt es jetzt, andere Wählerschichten anzusprechen. Das wird ihm, bei geschicktem Vorgehen, um einiges leichter fallen als Marschitz. Das liegt vor allem darin begründet, dass sich alle angetretenen Listen vor der Wahl, gegen Marschitz aussprachen. Es ist daher logisch, dass Wähler, die vorher weder Marschitz noch Krumschnabel ihre Stimme gaben, eher Zweiteren wählen, um den Machtwechseln und die Abwahl Marschitz' zu vollziehen.
Ich bin mir daher fast sicher, dass der neue Bürgermeister Martin Krumschnabel heißen wird.
Dienstag, 16. März 2010
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2 Kommentare:
gut und objektiv analysiert.Bin echt gespannt, wie die Stichwahl ausgeht. Ich hoffe nur, dass der zufkünftige BM sich an seine Wahlversprechen hält und wirklich etwas für "seine" Kufsteiner tut. Da gibt es viel zu tun. lg Mama
Respekt!... Sehr gut analysiert!
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